Bakuchiol gegen Falten: Die natürliche Retinol-Alternative
Redaktion, 24. NOVEMBER 2022 | aktualisiert am 23.07.2026
Bakuchiol hat sich als Retinol-Alternative in den letzten Jahren einen Namen gemacht.
Retinol gilt als das wirksamste Mittel gegen Falten – geht aber oft mit Rötungen, Schuppung und erhöhter Lichtempfindlichkeit einher. Bakuchiol hat sich in den letzten Jahren als pflanzliche Alternative einen Namen gemacht, die ähnliche Effekte verspricht, ohne die ganzen Nebenwirkungen. Ob Bakuchiol wirklich mit Retinol mithalten kann und was die Wissenschaft dazu sagt, schauen wir uns hier im Detail an.
Mundfalten sind noch lange kein Grund, sich unters Messer zu legen. Das mag zwar die schnellste Lösung bei Falten sein, doch es geht auch natürlicher. Es gibt einige Hausmittel, die sich als wahre Wundermittel bei Fältchen und Linien erwiesen haben.
Bakuchiol ist ein pflanzlicher Wirkstoff, der aus den Samen und Blättern der Babchi-Pflanze (Psoralea corylifolia) gewonnen wird. Die Pflanze wird seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen und ayurvedischen Medizin eingesetzt. Chemisch hat Bakuchiol keine strukturelle Ähnlichkeit mit Retinol – es reguliert aber auf ähnliche Weise die Hautzellen und wird deshalb oft als "pflanzliche Retinol Alternative" bezeichnet.
Bakuchiol wirkt über mehrere Mechanismen, die auch von klassischen Retinoiden bekannt sind: Es regt die Kollagenproduktion an, fördert die Zellerneuerung und wirkt zusätzlich antioxidativ, indem es freie Radikale abfängt, die die Hautalterung beschleunigen. Anders als Retinol erhöht es dabei nicht die Lichtempfindlichkeit der Haut, wodurch man es auch tagsüber anwenden kann, ohne das Sonnenbrandrisiko zu erhöhen.
Was die Wissenschaft zu Bakuchiol sagt
Viele Artikel über Bakuchiol verweisen vage auf "Studien", ohne sie zu benennen. Die mit Abstand wichtigste Untersuchung stammt von Dhaliwal und Kollegen, veröffentlicht 2019 im British Journal of Dermatology. In einer randomisierten, doppelblinden Studie über 12 Wochen trugen die Teilnehmenden entweder zweimal täglich eine Creme mit 0,5 % Bakuchiol oder einmal täglich eine Creme mit 0,5 % Retinol auf. Das Ergebnis: Beide Wirkstoffe reduzierten die Anzahl an Falten und Hyperpigmentierung, ohne einen statistisch messbaren Unterschied zwischen den Gruppen der beiden Wirkstoffe. Der größte Unterschied zeigte sich bei der Verträglichkeit: Die Retinol-Gruppe berichtete deutlich häufiger von Hautschuppung und Brennen, während die Gruppe mit Bakuchiol keine Beschwerden hatte.
Welche Konzentration ist sinnvoll?
Für Einsteiger wird eine Konzentration von 0,1 - 0,3 % empfohlen. Wer noch unsicher ist, mischt das Bakuchiol in ein Serum oder eine Creme der Wahl. Im Laufe der Zeit kann die Konzentration auf 0,5 % oder 1 % und höher gesteigert werden.
Anwendung
Bakuchiol lässt sich, anders als Retinol, morgens und abends anwenden. Für den Einstieg empfiehlt sich dennoch eine schrittweise Steigerung: zunächst jeden zweiten Tag, nach 1-2 Wochen bei guter Verträglichkeit auf die tägliche Anwendung umstellen. Man sollte Bakuchiol auf die gereinigte Haut auftragen und vor fetthaltigen Cremes oder Ölen als ersten Schritt der Hautpflege-Routine.
Bakuchiol in der Schwangerschaft
Ein weiterer Grund, der für Bakuchiol als Alternative spricht, ist, dass Retinol in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden sollte, da es als Vitamin-A-Derivat mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen in Verbindung gebracht wird. Da Bakuchiol chemisch kein Retinoid ist, sondern ein unabhängiger Pflanzenstoff, fällt es nicht unter diese Einschränkung und gilt in verfügbaren Übersichtsarbeiten bislang als unbedenklich.
Wichtig für eine ehrliche Einordnung: Dedizierte, groß angelegte Sicherheitsstudien speziell zur Anwendung von Bakuchiol während der Schwangerschaft gibt es bisher nicht. Werdende und stillende Mütter sollten die Anwendung deshalb trotzdem vorab mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt besprechen, bevor sie Bakuchiol-Produkte in die Routine aufnehmen.
Bakuchiol mit Retinol kombinieren
Bakuchiol muss Retinol nicht immer zwangsläufig ersetzen, denn die beiden Wirkstoffe lassen sich auch super miteinander kombinieren. Da sie über unterschiedliche Mechanismen aber auf ähnliche Art und Weise auf der Haut wirken, ist die gleichzeitige Verwendung als unbedenklich, teilweise sogar als ergänzend anzusehen. Bakuchiol wirkt beruhigend auf die Haut, was die für Retinol typischen Reizungen reduzieren kann.
Es empfiehlt sich dafür eine schrittweise Steigerung: zunächst nur Bakuchiol anwenden, nach einigen Wochen Gewöhnung schrittweise Retinol ergänzen (z. B. an 2-3 Abenden pro Woche) und die Reaktion der Haut beobachten. Wer empfindlich auf Retinol reagiert, kann Bakuchiol morgens und Retinol abends einsetzen, um die Belastung der Haut zu verteilen.
Nebenwirkungen und Verträglichkeit
Bakuchiol gilt im Vergleich zu Retinol als deutlich besser verträglich. In der Dhaliwal-Studie traten bei der Bakuchiol-Gruppe kaum Hautschuppung und Brennen im Gegensatz zur Retinol-Gruppe. Vereinzelt kann es anfangs dennoch zu leichten Irritationen kommen, insbesondere bei sehr empfindlicher Haut oder zu hoher Konzentration. Ein Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle vor der ersten großflächigen Anwendung ist daher empfehlenswert.
Fazit
Bakuchiol ist eine der wenigen pflanzlichen Anti-Aging-Wirkstoffe, deren Wirksamkeit tatsächlich in einer direkten klinischen Vergleichsstudie mit Retinol belegt wurde – mit deutlich besserer Verträglichkeit. Wer empfindliche Haut hat, Retinol nicht verträgt oder in der Schwangerschaft nicht darauf verzichten möchte, hat mit Bakuchiol eine gut belegte Alternative. Wer bereits gut mit Retinol zurechtkommt, muss nicht zwangsläufig wechseln – eine Kombination beider Wirkstoffe ist ebenfalls möglich.
QUELLEN
M. Bährle-Rapp: Bakuchiol. 2007.
M. Sonnet: Mit Cosmeceuticals zu jüngerer Haut?. 2019.
Draelos Z.D., Gunt H., Zeichner J., Levy S.: Clinical Evaluation of a Nature-Based Bakuchiol Anti-Aging Moisturizer for Sensitive Skin. 2020.
Dhaliwal, S., Rybak, I., Ellis, S.R., Notay, M., Trivedi, M., Burney, W., Vaughn, A.R., Nguyen, M., Reiter, P., Bosanac, S., Yan, H., Foolad, N. and Sivamani, R.K. (2019), Assessment of topical bakuchiol and retinol for facial photoageing. Br J Dermatol, 180: e45-e45. https://doi.org/10.1111/bjd.17476
Natalja Felsing
Natalja ist Content- und Recherche-Expertin mit langjähriger Erfahrung im Beauty- und Gesundheitsbereich. Nicht nur privat setzt sie sich tagtäglich mit Themen wie Fitness, gesunder Ernährung, Schönheit und Anti-Aging auseinander, sondern auch beruflich. Seit Abschluss ihres Studiums an der Hochschule Darmstadt recherchiert und verfasst sie seit mehreren Jahren Beiträge zu Themen rund um Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden - immer auf dem aktuellsten Stand der Forschung.
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